Migränetagebuch führen: Was du eintragen solltest und wie lange
Ein praktischer Leitfaden zum Migränetagebuch: die vier Dinge, die du bei jeder Attacke festhältst, die optionalen Extras, was du vermeiden solltest und wie lange du es vor dem Arzttermin führen solltest.
Wenn du ein Migränetagebuch führen willst, hier die Kurzfassung: Schreib jede Attacke auf, mit Beginn, Ende, Schmerzstärke und der Frage, ob du etwas dagegen genommen hast. Markiere die Tage, an denen du gar keine Kopfschmerzen hattest. Führe das Tagebuch mindestens zwei Monate vor deinem Termin, besser drei. Alles andere ist optional.
Ich habe seit meinem fünften Lebensjahr Migräne und habe jede Form von Tagebuch ausprobiert: den Papierkalender aus der neurologischen Praxis, eine Notizen-App, eine Tabelle und schließlich die App, die ich für mich selbst gebaut habe. Das hier hätte ich am Anfang gern gewusst.
Warum Ärztinnen und Ärzte nach einem Migränetagebuch fragen
Es gibt keine Bildgebung und keinen Bluttest für Migräne. The Migraine Trust sagt es klar: „There is currently no test to diagnose migraine.“ Die Diagnose hängt davon ab, dass deine Ärztin oder dein Arzt deine Krankengeschichte aufnimmt und andere Ursachen ausschließt (The Migraine Trust, Diagnosis).
Diese Krankengeschichte bringst du mit. Dieselbe Quelle nennt, was beim ersten Termin gefragt wird: wie oft die Attacken auftreten, wie stark die Schmerzen sind, welche weiteren Symptome dazukommen und welche Behandlungen du schon versucht hast (The Migraine Trust, Visiting your GP). Aus dem Gedächtnis, zwei Monate später, liegen die meisten von uns mit diesen Zahlen daneben. Ein Tagebuch liegt richtig.
Die vier Dinge, die du jedes Mal festhältst
Die meisten Vorlagen für ein Migränetagebuch haben fünfzehn oder mehr Felder. Wetter, Essen, Schlaf, Hormone, Stress, Bildschirmzeit. Wenn der Kopf wehtut und du dreißig Sekunden hast, bedeuten fünfzehn Felder: Du schreibst gar nichts. Fang deshalb mit den vier Dingen an, nach denen jede Ärztin und jeder Arzt fragt:
- Wann die Attacke begonnen hat. Datum und ungefähre Uhrzeit.
- Wann sie geendet hat. Attacken dauern typischerweise zwischen 4 und 72 Stunden (ICHD-3, 1.1 Migräne ohne Aura, Kriterium B), oft ist das ein anderer Tag.
- Wie stark die Schmerzen waren. Eine einfache Skala reicht. Leicht, mittel, stark, oder 1 bis 10. Bleib dabei konsequent.
- Ob du ein Akutmedikament genommen hast, und welches. Ein Eintrag pro Einnahme. Die Zahl, die später zählt, ist die Zahl der Tage mit einer Einnahme, nicht die Zahl der Tabletten.
Das ist das nützliche Minimum. Wenn du nur diese vier Dinge erfasst, ist dein Tagebuch schon mehr wert als ein vages „ein paar schlechte Wochen“.
Nützliche Extras, alle optional
Sobald die vier Grundangaben zur Gewohnheit geworden sind, geben diese Punkte Kontext:
- Symptome: Übelkeit, Licht- oder Lärmempfindlichkeit, Sehstörungen.
- Aura: ob du eine hattest und wie sie war.
- Schmerzseite und Schmerzcharakter: links, rechts, beidseitig; pochend oder drückend.
- Eine kurze Notiz: alles, was du beim Termin erwähnen möchtest, in einem Satz.
Das IQWiG, das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, beschreibt ein Tagebuch, das über mehrere Wochen oder Monate Zeitpunkt, Dauer, Stärke und Medikamente erfasst und optional Schlaf, Stress und Essen (IQWiG, Migräne-Tagebuch). Achte auf die Reihenfolge: Zuerst kommen die Daten zur Attacke, zuletzt die möglichen Einflüsse.
Was du vermeiden solltest
Geh nicht am ersten Tag auf Auslösersuche. Die meisten neuen Tagebücher scheitern daran, dass jede Mahlzeit und jede Stunde Schlaf protokolliert werden soll. Erfasse zuerst die Attacken.
Verwechsle frühe Symptome nicht mit Auslösern. Viele Attacken beginnen mit einer Vorphase, der Prodromalphase: Heißhunger, Gähnen, Stimmungsschwankungen, Nackensteife, Stunden vor dem Schmerz. The Migraine Trust weist darauf hin, dass diese frühen Anzeichen leicht mit Auslösern verwechselt werden. Die Schokolade, auf die du am Dienstagmorgen Lust hattest, kann das erste Zeichen der Attacke vom Dienstagabend sein, nicht ihre Ursache (The Migraine Trust, Prodrome).
Lass die guten Tage nicht weg. Ein Tagebuch nur mit schlechten Tagen sieht schlimmer aus, als dein Leben tatsächlich ist, und deine Ärztin kann zwei ruhige Wochen nicht von zwei Wochen unterscheiden, die du vergessen hast einzutragen. Markiere die kopfschmerzfreien Tage, und sei es nur mit einem Haken.
Wie lange du es führen solltest und warum drei Monate zählen
Für einen Termin führst du das Tagebuch mindestens vier bis acht Wochen vorher. Besser drei Monate. Der Grund steht in den Diagnosekriterien, mit denen Ärztinnen und Ärzte arbeiten.
Chronische Migräne ist in der Internationalen Klassifikation von Kopfschmerzerkrankungen definiert als Kopfschmerz an 15 oder mehr Tagen pro Monat über mehr als drei Monate, mit Migränemerkmalen an mindestens 8 dieser Tage (ICHD-3, 1.3 Chronische Migräne).
Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch ist über denselben Zeitraum definiert. Die Leitlinie von DGN und DMKG (AWMF 030/131) und ICHD-3 Abschnitt 8.2 nennen die Schwellen von 15 oder mehr Tagen pro Monat für einfache Schmerzmittel und 10 oder mehr Tagen pro Monat für Triptane, Opioide und Kombinationspräparate, jeweils über mehr als drei Monate (DGN/DMKG S1-Leitlinie, 2022). Was das für deine eigenen Medikamente bedeutet, ist ein Gespräch für deinen Arzttermin. Was es für dein Tagebuch bedeutet, ist einfach: Zähle Tage, und zähle drei Monate lang.
Papier oder App
Beides funktioniert. Papier ist kostenlos, braucht keinen Akku, und der Kalender aus der Praxis hat schon das Format, das dort gern gesehen wird. Die Nachteile: Er ist selten dabei, wenn die Attacke beginnt, und die Tage pro Monat zusammenzuzählen ist deine Aufgabe.
Eine App ist meistens in der Hosentasche, du kannst den Beginn einer Attacke also vom Bett aus eintragen. Sie hält alle Einträge an einem Ort und kann eine Übersicht für den Arzttermin ausdrucken. Die Nachteile: Es ist eine App mehr, und du solltest wissen, wohin deine Daten gehen, bevor du deine Gesundheitsgeschichte eintippst.
Wofür du dich auch entscheidest: Das Tagebuch, das ausgefüllt wird, ist das richtige.
Wenn du lieber eine App nutzt
Ich habe Migrania entwickelt, weil ich eine Attacke in Sekunden eintragen wollte, auch mitten in der Migräne. Die App erfasst Episoden und Medikamenteneinnahmen, zeigt sie im Kalender und als Diagramme deiner eigenen Einträge und exportiert ein PDF, das du zum Termin mitbringen kannst. Deine Einträge bleiben auf deinem iPhone. Die App ist kostenlos, ein Konto gibt es nicht.
Was du auch nutzt: Fang mit den vier Dingen an, lass die guten Tage drin und gib dem Ganzen drei Monate. Dann nimm es mit.